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Arbeitgeberdarlehen

Arbeitgeberdarlehen sind Kredite von einem Arbeitgeber an einen seiner Arbeitnehmer. Der Kredit wird nicht als Gegenleistung für erbrachte Arbeit ausbezahlt und ist strikt von einem Vorschuss oder von Auslagen zu unterscheiden. Arbeitgeberdarlehen werden von Unternehmen zur Verstärkung der Mitarbeiterbindung eingesetzt und sind oft sehr zinsgünstig.

Häufig werden Arbeitgeberdarlehen zur Finanzierung von Wohneigentum für verdiente Mitarbeiter eingesetzt. Dann erfolgt die Abwicklung z. B. über einen Bausparvertrag, in den das Unternehmen zunächst eine größere Summe einzahlt und den Darlehensanspruch nach der Zuteilung dann an Mitarbeiter weiterreicht.

Laufzeiten

Die Laufzeit kann grundsätzlich frei bestimmt werden. Dient der Kredit nicht zur Anschaffung einer Immobilie, sind Laufzeiten von 6 bis 84 Monaten üblich. Bei Immobilienkrediten sind auch längere Laufzeiten bis zu 25 Jahren möglich.

Kreditsummen

Arbeitgeberdarlehen beginnen bereits ab wenigen hundert Euro. Üblich sind aber auch sehr viel größere Kreditbeträge. Das gilt insbesondere bei Krediten, die im Rahmen betrieblicher Programme zum Erwerb von Wohneigentum vergeben werden. Dann kann sich der Kreditbetrag durchaus auf mehrere hunderttausend Euro belaufen.

An dieser Stelle sei auf die Abgrenzung zu Organkrediten hingewiesen. Organkredite sind Darlehen, die Banken z. B. an Mitglieder des Vorstands oder Aufsichtsrates vergeben. Dabei sind deutlich höhere Kreditsummen üblich.

Gebühren

Kreditnehmer zahlen bei Arbeitgeberdarlehen in der Regel keine Gebühren. Bei Immobilienkrediten trägt das Unternehmen diese. Wird die Finanzierung über eine Bausparkasse abgewickelt, beträgt die Abschlussgebühr  1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme (der Summe aus Bausparguthaben und Bauspardarlehen).

Wird der Bausparvertrag mit einem Kredit schnell zur Zuteilungsreife gebracht, können auch für die Vorfinanzierungen Gebühren in Form eines Damnums anfallen. Betriebe können die Bearbeitungs- und Abschlussgebühren in voller Höhe steuerlich geltend machen.

Verzinsung

Bei einem direkten Kredit vom Arbeitgeber an seinen Angestellten kann die Höhe des Zinssatzes frei vereinbart werden. Der Effektivzins liegt in der Regel deutlich unter dem Niveau des Marktes. Sie kann entweder für die gesamte Laufzeit fixiert oder variabel an einen Referenzzinsatz gekoppelt werden. Als Referenzzinssatz dienen dann zum Beispiel der Euribor oder der EZB Leitzins.

Viele Unternehmen orientieren sich bei der Festlegung der Zinsen am Marktzinssatz für Hypothekendarlehen mit 60prozentigem Beleihungsauslauf. Das gilt für variabel verzinste Darlehen genauso wie für Festzinskredite.

Wichtig: Wird bei einem Kredit kein ausdrücklicher Zinssatz festgelegt, ist er zinslos!

Bei Immobilienkrediten wird das Darlehen meistens von einer Bausparkasse ausbezahlt. Der Zinssatz richtet sich dann nach dem jeweiligen Tarif, den das Unternehmen gewählt hat. Bauspardarlehen sind  -abgesehen von Niedrigzinsphasen – meist deutlich günstiger als Hypothekendarlehen.

Das liegt daran, dass der niedrige Zinssatz mit dem angesparten Guthaben (und dessen niedriger Verzinsung während der Ansparphase) bezahlt wird. Bei einem Arbeitgeberdarlehen entfällt diese Last auf den Betrieb. Der Kreditnehmer selbst erhält direkt und ohne Wartezeit den günstigen Bauspardarlehenszins.

Sicherheiten

Arbeitgeberdarlehen ohne Zweckbindung werden ohne Sicherheiten vergeben. Da die Rückzahlung jedoch mit dem Arbeitslohn verrechnet wird, verfügt der Arbeitgeber de facto über eine Teilsicherheit, solange der Angestellte im Betrieb tätig ist. Bei der Verrechnung der Kreditraten mit den Lohnansprüchen muss die gesetzlich festgelegte Pfändungsfreigrenze berücksichtigt werden.

Dient das Darlehen zur Finanzierung von Wohneigentum, wird es in den meisten Fällen von einer Bank oder Bausparkasse ausbezahlt. Diese sichert ihren Anspruch durch einen Eintrag im Grundbuch. Bausparkassen verlangen meist, dass der Beleihungsauslauf inklusive ihrem Darlehen 80 Prozent nicht überschreitet.

Zinsbindung

Bei einem Kredit ohne Zweckbindung kann eine Zinsbindung festgelegt werden. Alternativ wird der Kreditzins an einen Referenzzinsatz gebunden. Bauspardarlehen sind mit einer Zinsbindung bis zum Ende der Laufzeit ausgestattet.

Sonderzahlung und Kündigung

Bei einem Kredit ohne Zweckbindung bzw. grundpfandrechtliche Besicherung können beide Seiten das Darlehen mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Kreditnehmer können auch jederzeit den gesamten offenen Kreditbetrag zurückzahlen, da eine Vorfälligkeitsentschädigung nicht üblich ist.

Wichtig: Scheidet der Angestellte aus dem Unternehmen aus, erlischt dadurch nicht automatisch auch der Darlehensvertrag. Dazu bedarf es einer separaten Kündigung.

Bei der Gestaltung des Darlehensvertrags müssen verschiedene gesetzliche Vorgaben des Arbeitsrechts berücksichtigt werden. Vereinbarungen, die für den Fall der Kündigung des Arbeitnehmers eine sofortige Fälligstellung oder eine drastische Verkürzung der Laufzeit bzw. eine deutliche Erhöhung des Zinssatzes vorsehen, sind unwirksam.

Das gilt zumindest für betriebsbedingte Kündigungen und außerordentliche Kündigungen durch den Arbeitnehmer, sofern der Grund für die Kündigung beim Arbeitgeber zu suchen ist. Ausdrücklich zulässig sind aber Vereinbarungen, nach denen bei einer Kündigung ein marktüblicher Zinssatz gilt und die Vergünstigung damit beendet wird.

Bei Bauspardarlehen sind Sonderzahlungen ebenso wie eine vollständige vorzeitige Rückzahlung jederzeit möglich. Bei Arbeitgeberdarlehen in dieser Konstellation besteht kein Unterschied zu anderen Bauspardarlehen.

Verwendungszweck

Arbeitgeber können ihren Angestellten Kredite ohne Zweckbindung überlassen. Die Darlehen können dann z. B. zu Konsumzwecken genutzt werden. Es kann aber auch ein bestimmter Zweck vereinbart werden. Arbeitnehmer können sich zum Beispiel das Geld für eine kostenpflichtige Fort- oder Weiterbildung leihen.

Ein erheblicher Teil der Arbeitgeberdarlehen dient aber der Finanzierung von Wohneigentum. Damit lässt sich das Ziel der Mitarbeiterbindung am besten umsetzen, weil Immobilienkredite eine lange Laufzeit haben und die eigenen vier Wände in Arbeitsplatznähe  die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften Verbleibs wertvoller Angestellter erhöhen.

Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Für Arbeitnehmer sind Darlehen vom Arbeitgeber oft sehr viel günstiger als Kredite auf dem freien Markt. Betriebe können mit Krediten ihre Mitarbeiter besser an sich binden. Das Kreditausfallrisiko ist dabei gering, weil im Fall des Zahlungsverzugs die Möglichkeit der Verrechnung mit dem Arbeitslohn besteht. Die Kostenersparnis für Arbeitnehmer gilt auch bei Bauspardarlehen. Zwar ist die monatliche Rate dann genauso hoch wie bei anderen Bauspardarlehen. Die lange Ansparphase im Vorfeld entfällt aber.

Nachteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Wird mit dem Arbeitgeberdarlehen eine Zinsersparnis realisiert, unterliegt diese der Steuerpflicht. Arbeitgeber tragen trotz des laufenden Arbeitsverhältnisses ein Restrisiko, wenn sie den Kredit direkt vergeben. Das Risiko ist umso größer, je länger die Laufzeit ist   -schließlich könnte der Angestellte schwer erkranken oder aus anderen Gründen nicht mehr arbeiten. Wird ein Arbeitgeberdarlehen als Immobilienkredit über eine Bausparkasse vergeben, entfällt das Ausfallrisiko. Betriebe müssen aber den Guthabenanteil des Bausparvertrags in diesen einzahlen, der nicht verzinst wird.

Steuerliche Besonderheiten

Betriebe müssen Zinseinkünfte aus Arbeitgeberdarlehen als Betriebsausgaben versteuern. Refinanzierungskosten können sie hingegen als Ausgaben absetzen. Mitarbeiter müssen geldwerte Vorteile aus dem Darlehen versteuern.

Als geldwerter Vorteil in steuerlicher Hinsicht wird die Differenz zwischen dem Kreditzins und des Durchschnittszinssatzes der Bundesbank eingestuft. Der Bundesbank-Durchschnitt wird dabei mit 96 Prozent angesetzt. Der geldwerte Vorteil aus einem Arbeitgeberdarlehen gilt steuerlich als Sachbezug. Sofern nicht noch andere Sachleistungen bezogen werden, können Zinsvorteile im Umfang von 44 Euro monatlich (Freibetrag) steuerfrei vereinnahmt werden.

Wann eignet sich ein Arbeitgeberdarlehen?

Für Angestellte eignen sich Arbeitgeberdarlehen grundsätzlich immer dann, wenn sie angeboten werden und die Konditionen signifikant günstiger sind als auf dem freien Markt. Dabei sollte nicht von durchschnittlichen Zinssätzen oder Orientierungsgrößen, sondern ganz konkret von den besten verfügbaren Angeboten ausgegangen werden.

 Für Betriebe eignen sich Darlehensprogramme für Mitarbeiter, wenn dadurch die Bindung an den Betrieb gestärkt wird. Vor allem für Unternehmen im ländlichen Raum stellen Immobilienkredite für Mitarbeiter ein wirkungsvolles Werkzeug dar. In Ballungsräumen ist die Bedeutung hingegen weniger groß, weil auch die Konkurrenz in der Nähe ist.

Wichtig bei Vergleich und Antrag

Angestellte sollten vor der Inanspruchnahme eines Arbeitgeberdarlehens in jedem Fall einen qualifizierten Kreditvergleich auf dem freien Markt durchführen. Es ist keinesfalls sicher, dass das Angebot vom Chef immer  günstiger ist. Vor allem bei größeren Kreditbeträgen sollte auch für den Fall eines Ausscheidens aus dem Betrieb und der damit verbundenen Zinserhöhung die Kapitaldienstfähigkeit sichergestellt sein.

Arbeitgeberdarlehen beantragen

Der Kreditantrag wird direkt beim Chef bzw. der zuständigen Abteilung gestellt.