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Effektenkredit

Mit einem Effektenkredit wird ein Wertpapierdepot beliehen. Wertpapiere werden auch als Effekten bezeichnet, woraus sich der Name der Finanzierung ableitet. Kreditnehmer vereinbaren mit ihrer Depotbank einen Kreditrahmen, über den nach der Einräumung flexibel verfügt werden kann. Die Höhe des Kreditrahmens richtet sich nach dem Wert und der Art der Wertpapiere im Depot. Je nach Bank kann ein Effektenkredit entweder nur für Wertpapierkäufe oder aber zu beliebigen Zwecken genutzt werden.

Beleihungswerte verschiedener Wertpapierklassen beim Effektenkredit

Wie hoch verschiedene Arten von Wertpapieren durch einen Effektenkredit beliehen werden können, zeigt unser nachfolgender Vergleich auf:

Wertpapiere Comdirect DAB Bank
Aktien, Inland 50,00% bis zu 50%
Aktien, Ausland 30,00% bis zu 50%
Euro-Anleihen inländischer Emittenten 80,00% bis zu 50%
Euro-Anleihen ausländischer Emittenten 60,00% bis zu 50%
Fremdwährungdanleihen 50,00% bis zu 50%
Genussscheine, aktienähnlich 50,00% bis zu 50%
Genussscheine, rentenähnlich 80,00% bis zu 50%
Aktienfonds 60,00% bis zu 50%
Rentenfonds 80,00% bis zu 50%
Mischfonds 60,00% bis zu 50%
Geldmarktfonds 80,00% bis zu 50%
Offene Immobilienfonds 80,00% bis zu 50%
Optionsscheine 0,00% 0,00%
Zertifikate 0,00% bis zu 50%
Weitere Details zu den einzelnen Angeboten
Mindestkreditlinie individuell 5.000 Euro
Maximale Kreditlinie individuell 100.000 Euro
Überziehung des vereinbarten Kreditrahmens* 12,00% 10,95%
Überziehung ohne Kreditvereinbarung* 11,95%
Zum Anbieter
Stand: 23.09.2017

Laufzeiten

Effektenkredite sind unbefristete Kredite. Wurde der Kreditrahmen eingeräumt, kann  er zeitlich unbefristet genutzt werden. Tilgungsleistungen sind nicht erforderlich. Die anfallenden Sollzinsen werden dem Kreditkonto belastet. Der Kreditrahmen kann allerdings durch die Bank gekürzt oder gestrichen werden, wenn die Kurse der beliehenen Wertpapiere sinken.

Kreditsummen

Effektenkredite werden ab 1.000 Euro (bezogen auf den Kreditrahmen) eingerichtet. Prinzipiell können beliebig große Kreditrahmen vereinbart werden. Die Höhe des Kreditrahmens richtet sich nach dem Depotbestand. Deshalb sind auch Effektenkredite im sechs- und siebenstelligen Euro-Bereich möglich. Die tatsächliche Inanspruchnahme kann deutlich geringer ausfallen als der Kreditrahmen.

Gebühren

Gebühren fallen üblicherweise weder für die Einrichtung eines Kreditrahmens noch für Verfügungen an. Auch Rückzahlungen sind kostenfrei. Auch Gebühren für die Ermittlung des Kreditrahmens durch die Feststellung der Beleihungswerte sind nicht üblich.

Verzinsung

Effektenkredite werden variabel verzinst. Der Zinssatz ist für alle Kreditnehmer und unabhängig von der Art der beliehenen Wertpapiere gleich hoch. Sind bestimmte Wertpapiere im Depot mit einem größeren Kursrisiko behaftet, schlägt sich dies nicht in höheren Zinsen sondern in einem geringeren Beleihungswert nieder. Die Zinsen werden in der Regel quartalsweise dem Kreditkonto belastet.

Die Zinssätze von Effektenkrediten sind vergleichsweise niedrig. Sie liegen zwar deutlich über den Zinssätzen von Immobilienfinanzierungen mit niedrigem Beleihungsauslauf, sind aber zugleich auch signifikant günstiger als bei Raten- oder Rahmenkrediten ohne Besicherung durch Wertpapiere.

Wird der vereinbarte Kreditrahmen überzogen, fallen allerdings für den über die Kreditlinie hinausgehenden Teil höhere Zinsen an. Diese liegen üblicherweise auf dem Niveau von Dispositionskrediten. Zu einer Überziehung des Kreditrahmens kann es auch unbeabsichtigt kommen. Starke Kursverluste können ebenso dazu führen wie eine (unlimitierte) Kauforder, die zu einem hohen Kurs ausgeführt wird.

Bei Effektenkrediten, die ausschließlich für den Erwerb von Wertpapieren genutzt werden, kann die Kreditaufnahme zinsfrei sein, wenn sie ausschließlich intraday erfolgt. Wird zum Beispiel am Morgen ein Wertpapier auf Kredit gekauft und das Darlehenskonto noch vor dem Tagesabschluss wieder glattgestellt, fallen dafür in der Regel keine Zinsen an.

Sicherheiten

Als Sicherheit für einen Effektenkredit dienen die beliehenen Wertpapiere im Depot. Deren Kurs- bzw. Rückzahlungswert kann zu einem bestimmten Prozentsatz beliehen werden. Wie hoch dieser Prozentsatz ist, richtet sich vor allem nach dem jeweiligen Wertpapier. Der Beleihungswert von Anleihen deutscher öffentlicher Emittenten beträgt üblicherweise 90 Prozent.

Blue-Chip-Aktien können mit 70 Prozent ihres Kurswertes beliehen werden. Bei Aktien von weniger großen Unternehmen beläuft sich der Beleihungswert meist auf etwa 50 Prozent. Auch Beleihungswerte von 5 oder 10 Prozent sind möglich.

Nicht alle Vermögensgegenstände im Depot können beliehen werden. Termingeschäfte sind ebenso nicht beleihbar wie Finanzprodukte, deren Risikoprofil dem eines Termingeschäfts ähnelt. Dazu zählen insbesondere Optionsscheine und Knock-Out-Zertifikate. Darüber hinaus ist es aus rechtlichen Gründen nicht möglich, Aktien oder andere Wertpapiere der depotführenden Bank  sowie deren Mutter- oder Tochtergesellschaften zu beleihen. Diese Wertpapiere besitzen einen Beleihungswert von 0 Prozent.

Durch die vollständige Besicherung des Kredits mit Wertpapieren ist die persönliche Bonität des Kreditnehmers unwichtig. Bei vielen Banken entfällt deshalb auch die bei anderen Krediten übliche Schufa-Abfrage.

Zinsbindung

Effektenkredite werden ohne Zinsbindung eingerichtet. Der Zinssatz ist variabel und orientiert sich am allgemeinen (kurzfristigen) Zinsniveau am Kapitalmarkt.

Sondertilgungen

Kreditnehmer können bei Effektenkrediten  jederzeit Tilgungsleistungen erbringen. Durch eine externe Einzahlung auf das Depot- oder Verrechnungskonto ist dies ebenso möglich wie durch den Verkauf von Wertpapieren. Bei einigen Banken muss mit einer separaten Transaktion ggf. Guthaben von einem Unterkonto auf das Kreditkonto umgebucht werden. Mit dem Tag der Wertstellung der Gutschrift auf dem Kreditkonto fallen für den getilgten Betrag keine Zinsen mehr an.

Verwendungszweck

Die Verwendungsmöglichkeiten von Effektenkrediten unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Anbietern am Markt. Einige Banken stellen die Kreditlinie ausschließlich für den Kauf von Wertpapieren zur Verfügung. Andere Banken hingegen ermöglichen auch Überweisungen auf externe Konten, wie z.B. das Girokonto der Hausbank. In diesem Fall ist der Effektenkredit nicht an einen bestimmten Verwendungszweck gebunden.

Risiken

Effektenkredite bergen aufgrund der Besicherung durch Wertpapiere einige spezielle Risiken. Wird der Kreditrahmen zum Kauf von Aktien, Anleihen oder Fonds genutzt, handeln Anleger mit einem so genannten Finanzhebel. Das führt dazu, dass überproportional an der Kursentwicklung von Wertpapieren partizipiert wird. Der Finanzhebel ermöglich bei einem günstigen Marktverlauf zwar hohe Renditen, führt aber bei einen ungünstigen Kursentwicklung auch zu überproportionalen Verlusten.

Auch wenn der Kreditrahmen nicht zum Kauf von Wertpapieren, sondern zu anderen Zwecken verwendet wird, tragen Kreditnehmer ein Kursrisiko. Sinken die Kurse der beliehenen Wertpapiere deutlich, kann es zu einer Reduzierung des Kreditrahmens kommen. Diese wiederum kann eine Überziehung des Kreditrahmens nach sich ziehen, mit der hohe Aufschläge auf den regulären Zinssatz verbunden sind.

Bei größeren und anhaltenden Kursverlusten müssen Kreditnehmer zudem mit einer Kündigung des Kreditrahmens und der Fälligstellung des valutierenden Kreditbetrages durch die Bank rechnen. In diesem Fall kann es zu einer sehr raschen Veräußerung der Wertpapiere im Depot durch die Bank kommen. Kreditnehmer müssen dann die Realisierung von Kursverlusten hinnehmen. Reicht der Verkauf der Wertpapiere nicht aus um den Kreditrahmen auszugleichen, kann es darüber hinaus zu einem Zahlungsverzug kommen.

Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Effektenkredite können schnell bereitgestellt und flexibel genutzt werden. Nach der Einräumung des Kreditrahmens kann jederzeit auf diesen zugegriffen werden. Dadurch ist es möglich, schnell auf bestimmte Marktentwicklungen zu reagieren.

Auch hinsichtlich der Tilgung bieten Effektenkredite ein Höchstmaß an Flexibilität. Kreditnehmer können selbst entscheiden, wann und wie viel sie tilgen. Eine Mindesttilgung ist nicht vorgeschrieben. In dieser Hinsicht sind Effektenkredite noch flexibler als die meisten Rahmenkredite. Sie sind zudem deutlich günstiger, weil die Bank über Sicherheiten verfügt.

Nachteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Ein Nachteil besteht in den möglichen Schwierigkeiten, die bei einem deutlichen Wertverlust der beliehenen Wertpapiere auftreten können. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem zwangsweisen Verkauf der Wertpapiere durch die Bank.

Ein weiterer und sehr viel wahrscheinlicherer Nachteil ist das Risiko, den Kreditrahmen unabsichtlich zu überziehen. Auch dies ist bei Kursverlusten möglich. In der Praxis verlangen Banken erst recht spät die Einzahlung zusätzlicher Gelder oder den Verkauf von Wertpapieren. In einer ungünstigen Konstellation besteht deshalb das Risiko ungedeckter Nachforderungen. Dies sollten besonders Kreditnehmer beachten, deren Kreditrahmen im Vergleich zu den sonstigen finanziellen Verhältnissen groß ausfällt. Das ist z.B. nach einer Erbschaft oder Schenkung häufig der Fall.

Steuerliche Besonderheiten

Die Sollzinsen können mit Zinseinnahmen verrechnet werden, wenn der Effektenkredit zur Anschaffung von Wertpapieren dient. Die Verrechnung mit anderen Kapitalerträgen ist nicht möglich. Auch wenn ein Effektenkredit zur Finanzierung anderer Vorhaben genutzt wird, können die Sollzinsen steuerlich abzugsfähig sein. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn mit dem Kredit eine zur Vermietung an Dritte bestimmte Eigentumswohnung finanziert wird.

Für wen und welche Zwecke eignet sich ein Effektenkredit?

Effektenkredite sind die günstigste und einfachste Lösung für Anleger, die ihren Handlungsspielraum an den Finanzmärkten schnell und unkompliziert erweitern möchten. Sie eignen sich darüber hinaus als Alternative zu Raten- oder Rahmenkrediten, wenn der Verwendungszweck freigestellt ist.  Insbesondere Selbständige und Freiberufler erhalten bei Banken oft nur schwer Raten- oder Rahmenkredite. Verfügen sie über ein geeignetes Depot, ist auch hier der Effektenkredit eine sehr gute Lösung.

Wichtig bei Vergleich und Antrag

Die Gebührenstruktur ist bei den meisten Effektenkrediten sehr transparent: Es fallen lediglich tagesgenau berechnete Sollzinsen an. Beim Vergleich sollten Kreditnehmer auf den Sollzins für Überziehungen achten – je kleiner der Aufschlag zum regulären Zinssatz, desto besser. Sofern der Kredit für den Intraday-Handel an den Finanzmärkten genutzt wird, ist der Verzicht der Bank auf Zinsen bei Intraday-Krediten wichtig.

Effektenkredit beantragen

Für den Antrag auf einen Effektenkredit muss ein Depot bei der jeweiligen Bank geführt werden. Bietet die depotführende Bank keinen Effektenkredit an, muss ggf. ein Depotübertrag zu einer anderen Bank durchgeführt werden. Bei vielen Instituten kann der Antrag dann per Legitimation mittels Transaktionsnummer erfolgen – lästiger Papierkram entfällt so. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, wird der Kreditrahmen in der Regel binnen weniger Bankarbeitstage eingerichtet.