A B C D E F H I K L M N P R S T U V W

Fremdwährungskredit

Fremdwährungskredite sind Darlehen, die auf eine andere Währung als den Euro lauten. Sie kommen häufig im Rahmen von Immobilienfinanzierungen zum Einsatz. Sie bieten gegenüber Finanzierungen in Euro häufig einen Zinsvorteil, weil das Zinsniveau in anderen Währungsräumen niedriger ist. Kredite im Schweizer Franken oder dem japanischen Yen waren in den vergangenen 20 Jahren sehr häufig signifikant günstiger als Kredite im Euro.

Der in fremder Währung aufgenommene Kredit wird von der Bank in Euro ausbezahlt. Der Kreditnehmer leistet den Kapitaldienst ebenfalls in Euro. Das Darlehenskonto denominiert jedoch in einer anderen Währung. Daraus resultiert für den Kreditnehmer ein Wechselkursrisiko. Fällt der Wert des Euros gegenüber der Kreditwährung, vergrößert sich die die Darlehensschuld. Umgekehrt kann ein Teil der Tilgungslasten entfallen, wenn der Euro gegenüber der Darlehenswährung aufwertet.

Eigenschaften eines Fremdwährungsdarlehens

Laufzeiten

Da Fremdwährungskredite vor allem bei Immobilienfinanzierungen zum Einsatz kommen, erstreckt sich der Zeithorizont oft über mehr als 10 Jahre. Marktüblich sind Laufzeiten von bis zu 25 Jahren. Die Umschuldung in einen Euro-Kredit ist jedoch praktisch immer ebenso möglich wie die Rückzahlung des Darlehens.

Kreditsummen

Fremdwährungskredite werden ab ca. 50.000 Euro (bzw. dem entsprechenden Äquivalent in einer anderen Währung) angeboten. Einen festgelegten Höchstbetrag gibt es nicht. Viele Anbieter bewerben Finanzierungen bis zu 1 Mio. Euro. Die maximale Kreditsumme wird jedoch durch die erforderliche Besicherung mit der Immobilie begrenzt. Da der Beleihungsauslauf bei Fremdwährungsfinanzierungen niedriger ist als bei Euro-Darlehen fallen in der Praxis auch die Kreditsummen geringer aus.

Verzinsung

Fremdwährungskredite sind variabel verzinst. Sie orientieren sich an einem Referenzzinssatz. Dabei handelt es sich meistens um einen Geldmarktzinssatz des Landes, in dessen Währung der Kredit aufgenommen wird. Steigt dieser an, gilt dies auch für den Kreditzins und andersherum verhält es sich genauso. In der Zinsanpassungsklausel ist festgelegt, wie genau die Kopplung des Zinssatzes an die Referenz erfolgt. Die Anpassung kann zum Beispiel auf Basis eines Stichtages erfolgen, der in bestimmten Abständen betrachtet wird.

Gebühren

Bei Fremdwährungskrediten können zahlreiche Gebührenposten anfallen. Dazu zählen unter anderem die Führung des Fremdwährungskontos, Gebühren für die Konvertierung des Darlehens in Euro sowie die Konvertierung der Raten in die Kreditwährung.

Viele Fremdwährungsdarlehen werden in Kombination mit einem aktiven Währungsmanagement angeboten. Eine Bank oder ein spezialisierter Finanzdienstleister beobachten dabei die Entwicklung am Devisenmarkt und schichten das Darlehen hin und wieder von in eine andere Währung um.

Dabei kann es sich um den Euro ebenso handeln wie um eine weitere Fremdwährung. Aktives Währungsmanagement zieht weitere Gebühren nach sich, deren Höhe und Struktur sich stark zwischen den einzelnen Anbietern am Markt unterscheiden.

Zusätzliche Gebühren fallen an, wenn die Tilgung endfällig über einen Tilgungsträger erfolgt. Beim Abschluss einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung werden einige Prozent der vertraglich vereinbarten Einzahlungen für die Gesamtlaufzeit fällig. Zusätzlich entfällt ein Teil der regelmäßigen Einzahlungen auf Veraltungskosten des Versicherers.

Sicherheiten

Fremdwährungskredite werden nur gegen umfangreiche Sicherheiten vergeben. Marktüblich ist eine Besicherung in Höhe von 120 bis 150 Prozent des ausgereichten Kreditvolumens. Als Sicherheit kann die mit dem Kredit finanzierte Immobilie dienen. Durch die hohen Anforderungen an die Sicherheiten fällt der Beleihungswert deshalb geringer aus als bei Finanzierungen in Euro. Die Bank sichert sich damit gegen das Wechselkursrisiko ab, das im schlimmsten Fall die Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers nach sich ziehen kann.

Neben Immobilien können auch andere Vermögenswerte als Sicherheit dienen. Dies ist in der Praxis häufig der Fall, weil mit Fremdwährungskrediten oft Zweitwohnungen oder Ferienobjekte finanziert werden und nicht genügend liquide Mittel (als Eigenkapital) zur Verfügung stehen. Dann können z.B. Lebens- oder Rentenversicherungen als Sicherheit dienen.

Zinsbindung

Fremdwährungskredite werden praktisch nie mit einer  Zinsbindung ausgestattet. Die Finanzierung in einer fremden  Währung erfordert Flexibilität, die mit einer Zinsfestschreibung nur eingeschränkt besteht. Es muss möglich sein, auf bestimmte Entwicklungen am Devisenmarkt schnell zu reagieren und drohende Verluste zu vermeiden bzw. an einem kritischen Punkt die Reißleine zu ziehen.

Tilgung

Fremdwährungskredite können auf verschiedenen Wegen getilgt werden. Eine Möglichkeit besteht in einer annuitätischen Tilgung. Dabei werden monatliche Raten an die Bank gezahlt, in denen Zins und Tilgung enthalten sind. Da es sich um ein Variabel verzinstes Darlehen handelt kommt es bei Zinsänderungen auch zu Änderungen im Tilgungsplan. Diese können in höheren Raten, einer längeren Laufzeit oder einer größere Restschuld bestehen.

Eine Alternative zu laufenden Tilgung ist die endfällige Tilgung. Dabei wird der Kredit am Ende der Laufzeit in einer Summe getilgt. Während der Laufzeit werden nur die fälligen Zinsen gezahlt. Zusätzlich wird regelmäßig in einen Ansparvertrag (Tilgungsträger) eingezahlt. Üblicherweise handelt es sich dabei um eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung. Mit der Ablaufleistung der Police wird der Kredit getilgt. Eine endfällige Tilgung bietet die Chance, mit den Einzahlungen in den Tilgungsträgere eine Rendite zu erwirtschaften, die den Kreditzins übersteigt. Dadurch kann die Nettogesamtbelastung der Finanzierung reduziert werden.

Tilgungsträger bergen allerdings auch Risiken. So ist bei Vertragsschluss keinesfalls sicher, wie hoch die Rendite ausfällt. Sie kann langfristig durchaus unter dem Kreditzins liegen. Zudem fallen nicht unerhebliche Kosten für Verwaltung und Vertrieb der Versicherungsgesellschaft an. Ein weiterer Nachteil besteht in der geringen Flexibilität der Verträge.

Risiken von Fremdwährungskrediten

Fremdwährungskredite sind mit spezifischen Risiken verbunden. Das wichtigste ist das Wechselkursrisiko. Wertet der Euro gegenüber der Kreditwährung ab, wächst dadurch die Kreditlast. Die Wechselkursentwicklung am Devisenmarkt ist unberechenbar und kann auch von Experten nicht antizipiert werden. Für Laien ist es praktisch unmöglich, eine belastbare Aussage hinsichtlich der Kursentwicklung zu treffen. Je nach Marktsituation können die Kurse am Devisenmarkt sich sehr schnell in die eine oder andere Richtung bewegen. Bei marktüblichen Kreditbeträgen  sind Wechselkursverluste im fünfstelligen Euro-Bereich durchaus an einem einzigen Tag möglich.

Das Währungsrisiko kann  durch Absicherungsgeschäfte reduziert werden. Die Hedge-Geschäfte werden dann von einer Bank vorgenommen. Mit diesen Geschäften sind allerdings Kosten verbunden, die den geldwerten Vorteil aus einer Zinsdifferenz zu Krediten in Euro ganz oder teilweise zunichtemachen können.

Analog zum Risiko bieten Fremdwährungsfinanzierungen auch Chancen: Wertet der Euro gegenüber der Kreditwährung auf, verringert sich die Kreditschuld. Im aus Sicht des Kreditnehmers bestmöglichen Fall kann die Tilgung allein durch Kursgewinne erfolgen.

Steuerliche Besonderheiten

Wechselkursgewinne sind grundsätzlich steuerpflichtig. Sie unterliegen der Abgeltungsteuer. Diese beträgt 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Sie greift, wenn der jährliche Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro (1602 Euro bei gemeinsam veranlagten Ehegatten) im betreffenden Steuerjahr noch nicht ausgeschöpft ist. Verluste können gegen Gewinne in  gleicher Einkunftsart verrechnet werden.

Bei endfälliger Tilgung über einen Tilgungsträger müssen auch die steuerlichen Begebenheiten des Sparvertrags berücksichtigt werden. Die Einzahlungen in geeignete Verträge sind i. d. R. nicht steuerlich absetzbar, weil weder Rürup- noch Riester-Verträge die Eigenschaften besitzen, die für einen Tilgungsträger unverzichtbar sind. Kapitallebens- und Rentenversicherungen müssen mindestens 12 Jahre laufen und dürfen erst nach Vollendung des 60. Lebensjahres ausbezahlt werden, damit der Ertragsanteil nur zur Hälfte mit dem persönlichen Steuersatz besteuert wird.

Für wen eignet sich ein Fremdwährungskredit?

Fremdwährungskredite eignen sich für Kreditnehmer, die sich des Risikos dieser speziellen Finanzierung bewusst sind und die darüber hinaus über einen ausreichend großen finanziellen Spielraum verfügen. Zum einen muss genügend Eigenkapital zur Verfügung stehen, weil der Beleihungsauslauf bei Fremdwährungskrediten geringer ist als bei Finanzierungen in Euro.

Zum anderen müssen Wechselkursverluste verkraftet werden können. Im Fall einer ungünstigen Entwicklung des Wechselkurses müssen zusätzliche Tilgungsleistungen aufgebracht werden können, damit die Laufzeit sind nicht zu sehr verlängert. Als Zielgruppe für Fremdwährungskredite kommen gut situierte Eigentümer mit überdurchschnittlichem Einkommen und viel Erfahrung in finanziellen Angelegenheiten in Betracht.

Wichtig beim Vergleich

Der Markt für Fremdwährungskredite ist in Deutschland weitaus weniger transparent als der für Euro-Finanzierungen. Es gibt nur sehr wenige Untersuchungen renommierter Institutionen, wie z.B. der Stiftung Warentest, zu  Fremdwährungsdarlehen. Bevor die Angebote verschiedener Anbieter miteinander verglichen werden, sollten deshalb Funktionsweise und Risiken der Kredite verstanden werden.

Beim Vergleich sind neben dem Zinssatz und der Zinsanpassungsklausel vor allem Gebühren wichtig. Diese sind oft in Leistungen rund um das aktive Währungsmanagement versteckt bzw. untergebracht. Deshalb sollten Interessenten nicht nur auf eine mögliche Bearbeitungsgebühr, sondern auch auf die Kosten für das „Switchen“ in eine andere Währung achten.

Fremdwährungskredit derzeit nicht ratsam

In der aktuellen Niedrigzinsphase sehen wir als Redaktion keinen Sinn darin, einen Kredit in Fremdwährung aufzunehmen. Das Wechselkursrisiko überwiegt bei Zinsen zwischen einem und zwei Prozent pro Jahr, zu denen aktuell eine Baufinanzierung aufgenommen werden kann, eindeutig den Nutzen. Wie niedrig die Zinsen für Baufinanzierungen aktuell sind, können interessierte Leser dem nachfolgenden Vergleich entnehmen: