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Konsortialkredit

Ein Konsortialkredit wird von einem Zusammenschluss mehrerer Banken  dem Konsortium – bereitgestellt. Konsortialkredite kommen zur Anwendung, wenn das Kreditrisiko für eine einzelne Bank zu groß ist. Finanziert werden mit den Darlehen dementsprechend Großprojekte wie Einkaufszentren, Fußballstadien oder geschlossene Immobilienfonds.

Laufzeiten

Marktübliche Laufzeiten von Konsortialkrediten reichen von wenigen Monaten bei Zwischenfinanzierungen bis hin zu 20 oder 30 Jahren bei Großprojekten mit hohem Finanzierungsvolumen. Konsortium und Kreditnehmer handeln die Laufzeit frei aus.

Kreditsummen

Die Kreditsummen sind naturgemäß hoch, weil die Bildung eines Konsortiums aus Gründen der Risikobegrenzung vor allem bei hohen Kreditbeträgen Sinn macht. Konsortialkredite beginnen in der Regel erst im siebenstelligen Bereich. Eine fixe Obergrenze gibt es nicht, da Banken prinzipiell jeden Kredit über die Ausgabe von Anleihen refinanzieren können. Konsortien können deshalb Kreditbeträge auch jenseits von 10 Mrd. Euro beschaffen.

Gebühren

Ob Gebühren anfallen, handeln Kreditnehmer und Konsortium aus. Banken neigen bei der Preisgestaltung tendenziell dazu, pauschale Prozentsätze des Kreditbetrages bereits bei der Auszahlung zu verlangen und sie dem Darlehenskonto zu belasten. Es kann  auch dann zu einer Gebühr kommen, wenn nach Abschluss der Verhandlungen kein Kredit ausbezahlt wird.

Verzinsung

Die Höhe des Zinssatzes hängt maßgeblich von der Bonität des Kreditnehmers, den gestellten Sicherheiten und dem Marktzins ab. Banken lassen sich ein höheres Ausfallrisiko durch Aufschläge auf den Zinssatz vergüten. Je schlechter das Rating des Darlehensnehmers, desto  höher der Kreditzins.

Häufig wird die Verzinsung um eine zusätzliche Komponente erweitert, die den Banken eine Partizipation  an einer positiven Geschäftsentwicklung einräumt. Dazu kann ein Teil des Kredits zum Beispiel über eine Wandelanleihe abgedeckt werden. Das dafür erforderliche bedingte Kapital muss von der Hauptversammlung bzw. den Gesellschaftern genehmigt werden.

Bei einer positiven Geschäftsentwicklung steigt der Wert des Unternehmens, wovon Banken als bedingte Anteilseigner indirekt profitieren. Eine solche Konstellation ist auch möglich, wenn die bisherigen Besitzverhältnisse nicht verwässert werden sollen. Dann können z. B. Vorzugsaktien emittiert werden.

Konsortialkredite können auf fremde Währungen lauten. Dann fallen auch die Zinsen in der anderen Währung an. Ein Fremdwährungskredit macht z. B. Sinn, wenn die Erträge eines geplanten Projektes auch in einer anderen Währung erwirtschaftet werden.

Sicherheiten

Ein Konsortialkredit wird in der Regel durch Vermögensgegenstände besichert. Dabei kann es sich zum Beispiel um Grundpfandrechte handeln, was etwa bei Immobilienkrediten üblich ist. Als Sicherheit können auch Garantien z. B. von öffentlichen Förderbanken dienen. Auch das Recht zum Bezug von Anteilen am darlehensnehmenden Unternehmen kann als Sicherheit dienen. Unter bestimmten Voraussetzungen wird dann eine Kapitalerhöhung durchgeführt, die den Kreditgeber zusätzlich zum Anteilseigner macht.

Zinsbindung

Konsortialkredite können mit einer Zinsbindung ausgestattet oder variabel verzinst werden. Bei einer variablen Verzinsung leitet sich der Zinssatz aus einer Referenzgröße, wie z. B. dem Euribor ab. Die Höhe des Aufschlags auf den Referenzzinssatz hängt dann vor allem vom Rating des Kreditnehmers ab.

s ist möglich, die Verzinsung individuell auf den Kreditnehmer und sein bestehendes Portfolio zuzuschneiden. So kann z. B. eine Reverse-Verzinsung vereinbart werden, bei der sich der Darlehenszins umgekehrt zum Geldmarkt verhält. Zusammen mit einem Projekt mit gewöhnlicher variabler Verzinsung ergibt sich dann ein Portfolio mit deutlich reduziertem Zinsänderungsrisiko.

Wird eine Zinsbindung vereinbart, besteht für den Kreditnehmer für deren Laufzeit gar kein Zinsänderungsrisiko. Dafür muss aber neben  dem Bonitätsaufschlag ein weiterer Spread bezahlt werden: Je länger die Zinsbindung, desto höher der Zinssatz.

Kündigung/Veräußerungsrecht

Konsortium und Kreditnehmer können ein  Kündigungsrecht vereinbaren, das entweder für beide oder nur für eine der Parteien gilt. Kündigungsrechte sind vor allem bei Krediten mit Zinsbindung sinnvoll. Variabel verzinste Darlehen können in der Regel jederzeit mit einer Kündigungsfrist von maximal 12 Monaten gekündigt werden.

Wird ein Kündigungsrecht im Darlehensvertrag installiert, hat das Auswirkungen auf den Zinssatz. Die Bewertung von Kündigungsrechten ist dabei sehr komplex und kann an dieser Stelle nicht umfassend erläutert werden. Grundsätzlich gilt aber: Je mehr Rechte einer der beiden Parteien eingeräumt werden, desto mehr muss sie dafür zahlen. Ein Sonderkündigungsrecht des Kreditnehmers führt so tendenziell zu einem höheren Zinssatz.

Verwendungszweck

Konsortialkredite kommen zum Einsatz, wenn eine Bank allein sich mit dem Kreditrisiko überfordert sieht. Große Einkaufszentren werden ebenso über Konsortien finanziert wie Flughäfen, Fußballstadien, Auslandsexpansionen von Konzernen oder geschlossene Immobilienfonds und Windparks.

Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Kreditnehmer profitieren von den Vorteilen einer Außenfinanzierung, die ohne Konsortium bei sehr großen oder riskanten Vorhaben nicht möglich ist. Dadurch kann z. B. eine Kapitalerhöhung vermieden werden. Unternehmen ohne Erfahrung mit Anleiheemissionen können auf eine solche zudem verzichten.

Werden vorhandene Sicherheiten an eine Instanz abgetreten, resultiert daraus nicht selten ein im Vergleich zu partiellen Abtretung an mehrere Banken höherer Beleihungswert. Im Konsortium besteht zudem nicht die Gefahr, dass eine einzelne Bank plötzlich aus dem Geschäft aussteigen will und die Finanzierung dadurch gefährdet.

Nachteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Das Konsortium ist zwar auf der einen Seite ein Geschäftspartner, auf der anderen Seite verfolgt es aber selbst eigene Interessen. Im Verbund können die beteiligten Banken eine große Verhandlungsmacht ausüben und den Kreditnehmer unter Druck setzen. Kreditnehmer verfügen gegenüber einem Konsortium zudem über einen geringeren strategischen Spielraum. Das Ausspielen verschiedener am Konsortium beteiligter Banken gegeneinander ist praktisch unmöglich.

Wann eignet sich ein Konsortialdarlehen?

Konsortialdarlehen eignen sich, wenn die Hausbank unter Hinweis auf das große Finanzierungsvolumen ablehnt. Zudem sollte ein Bankdarlehen gegenüber einer Anleiheemission am freien Markt und einer Kapitalerhöhung vorgezogen werden.

Konsortialdarlehen beantragen

Ein Konsortialdarlehen wird üblicherweise bei der Bank beantragt, die voraussichtlich auch die Konsortialführerschaft übernehmen wird.