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Lieferantenkredit

Lieferantenkredite gehören zur Gruppe der Handelskredite und kommen vor allem bei Unternehmen aus Handel und Industrie zum Einsatz. Bei vielen Betrieben sind Lieferantenkredite der wichtigste Baustein in der kurzfristigen Fremdfinanzierung.

Bei einem Lieferantenkredit gewährt der Lieferant seinem Kunden ein Zahlungsziel und erhält für den Zahlungsaufschub eine Vergütung. Lieferantenkredite können ohne besondere Form vereinbart werden und ermöglichen einem Unternehmen unabhängig von Banken finanziellen Handlungsspielraum.

Laufzeiten

Im Geschäftsverkehr sind Laufzeiten von 30 bis 90 Tagen üblich. Die Laufzeit wird als Zahlungsziel auf der Rechnung vermerkt. Welche Zahlungsfristen üblich sind, hängt von der Branche ab.

Kreditsummen

Die Kreditsumme entspricht dem Warenwert, der geliefert wird. Mit Lieferantenkrediten finanzieren Unternehmen ihren Warenumschlag, nicht aber sonstige Betriebskosten.

Zinsen und Gebühren

Lieferanten erheben Zinsen in Form einer Skonto-Regelung. Wird das eingeräumte Zahlungsziel nicht genutzt und die Rechnung sofort beglichen, kann ein geringer Prozentsatz vom Rechnungsbetrag abgezogen werden. Üblich sind 1 bis 3 Prozent des Rechnungsbetrages. Die Nichtnutzung des Skontos bei Inanspruchnahme des Zahlungsziels entspricht der Verzinsung.

Wie genau die Skonto-Regelung ausgestaltet ist, hängt von der Branche und der jeweiligen Vereinbarung ab. Eine Möglichkeit besteht in der Stichtagsregelung: Das Skonto kann in Anspruch genommen werden, wenn der Rechnungsbetrag bis zu einem bestimmten Tag beim Lieferanten eingegangen ist. Auch gestaffelte Vereinbarungen, bei denen der Abzug umso geringer ausfällt je später gezahlt wird, sind möglich.

Sicherheiten

Der Gläubiger sichert seine Ansprüche in der Regel durch einen Eigentumsvorbehalt. Dadurch kann er auf die gelieferte Ware zugreifen, wenn der Schuldner nicht zahlt. Durch den Eigentumsvorbehalt ist der Zugriff unabhängig von einer etwaigen Insolvenz möglich.

Lieferanten holen zusätzlich Auskünfte über den potenziellen Gläubiger ein und stützen sich z. B. auf den Datenbestand von Wirtschaftsauskunfteien. Lieferantenkredite sind erfahrungsgemäß nicht für alle Unternehmen möglich. Vor allem junge, haftungsbeschränkte Unternehmen müssen gegenüber Lieferanten meist in Vorleistung treten.

Vor allem bei größeren Unternehmen sind abweichend davon Kreditausfallversicherungen üblich. Diese leistet dem Gläubiger bei Forderungsausfall Ersatz und erhält von ihm dafür eine Versicherungsprämie. Die Versicherer überprüfen die Bonität des Kreditnehmers.

Zinsbindung

Eine Zinsbindung im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Dennoch steht die Höhe des Zinssatzes von Beginn an fest. Sie kann durch den Kreditnehmer lediglich durch den Zeitpunkt der Zahlung beeinflusst werden.

Sonderzahlungen/Teilzahlungen

Wird nur ein Teil des Rechnungsbetrages frühzeitig überwiesen, kann die Skonto-Regelung in der Regel nicht in Anspruch genommen werden.

Verwendungszweck

Ein einzelner Lieferantenkredit dient stets der Finanzierung der gelieferten Ware. Die liquiden Mittel werden später durch den Verkaufserlös eingenommen und dienen dann zur Zahlung der Rechnung. Unternehmen können ihren Wareneinsatz dadurch ohne Bank vorfinanzieren.

Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Lieferantenkredite können schnell, formlos und ohne Bank vereinbart werden. Sie sind auch dann möglich, wenn Kreditlinien bei der Bank bereits ausgeschöpft sind.

Nachteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Lieferantenkredite können sehr teuer sein, auch wenn das optisch zunächst nicht der Fall zu sein scheint. Wird ein Zahlungsziel von 60 Tagen durch den Verzicht auf ein Skonto in Höhe von 3 Prozent erkauft, beträgt der jährliche Zinssatz fast 22 Prozent. Auch bei Laufzeiten von 90 Tagen liegt der Zinssatz in der Regel noch deutlich über den Sollzinsen eines marktüblichen Kontokorrentkredits.

Steuerliche Besonderheiten

Wird das Skonto nicht in Anspruch genommen und der vollständige Rechnungsbetrag bezahlt, kann dieser auch in vollem Umfang als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Die Finanzierungskosten eines Lieferantenkredits sind damit vollständig absetzbar. Wird die Skonto-Regelung genutzt und der Rechnungsbetrag verringert, muss dies auch bei der Umsatzsteuer berücksichtigt werden, die anteilig nicht bezahlt wird und somit auch nicht im Vorsteuerabzug geltend gemacht werden kann.

Wann eignet sich ein Lieferantenkredit?

Ein Lieferantenkredit eignet sich für Unternehmen, die ihren Wareneinsatz bankenunabhängig finanzieren möchten und über gute Geschäftsbeziehungen zu ihren Lieferanten verfügen. Es sollte sichergestellt sein, dass die Rechnungen in jedem Fall pünktlich bezahlt werden können. Sonst kommt aufgrund des Ausbleibens von  Warenlieferungen binnen kürzester Zeit der Geschäftsbetrieb zum Stillstand. Welche Zahlungsziele realistisch sind und wie hoch die Kosten für den Lieferantenkredit ausfallen, ist stark von der jeweiligen Branche abhängig.

Lieferantenkredit beantragen

Ein Lieferantenkredit muss mit jedem Lieferanten vereinbart werden. Dieser muss auf der Rechnung ein Zahlungsziel vermerken und angeben, um welchen Prozentsatz sich der Rechnungsbetrag verringert, wenn es nicht in Anspruch genommen wird.