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Mezzanine-Finanzierung

Mit einer Mezzanine-Finanzierung beschaffen sich Unternehmen Geld, das eigenkapitalähnliche Eigenschaften besitzt, an der Eigentümer- und Entscheidungsstruktur jedoch nichts ändert. Bekannte Formen von Mezzanine-Finanzierungen sind Genussscheine und stille Beteiligungen.

Mezzanine-Kapital stärkt die Eigenkapitalausstattung von Unternehmen und ermöglich ihnen dadurch größere Kreditlimits und günstigere Finanzierungskonditionen. Im Hinblick auf die Ausgestaltung der Finanzierungen besteht relativ viel Gestaltungsfreiraum. Es müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Beteiligung in der Bilanz als Eigenkapital und nicht als Verbindlichkeit aufgeführt wird. Es gibt auch Mezzanine-Kapital, das bilanziell als Fremdkapital eingestuft wird. Diese Form soll an dieser Stelle jedoch nicht behandelt werden.

Laufzeiten

Marktübliche Laufzeiten erstrecken sich über 7 bis 10 Jahre. Bei Laufzeiten unter 5 Jahren ist eine Zuordnung des Mezzanine-Kapitals zum Eigenkapital in der Regel nicht möglich.

Kreditsummen

Aufgrund des hohen Verwaltungsaufwands lohnen sich Mezzanine-Finanzierungen erst ab ca. 500.000 Euro. Marktüblich sind aber weitaus größere Summen im siebenstelligen Bereich oder sogar darüber.

Voraussetzung zur Einstufung als Eigenkapitalersatz

Damit Mezzanine-Kapital bilanziell als Eigenkapital eingestuft werden kann, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Im Einzelfall ergibt sich die Einstufung aus den jeweiligen Vertragsbedingungen, die Mezzanine-Nehmer und Mezzanine-Geber vereinbaren.

Grundsätzlich ist eine Laufzeit von mindestens 5 Jahren zur Einstufung als Eigenkapital erforderlich. Während dieser Zeit darf eine Rückzahlung des Kapitals für beide Seiten nicht ohne weiteres möglich sein. Darüber hinaus muss sich die Einlage im Hinblick auf die Haftung und die Ansprüche der Mezzanine-Geber maßgeblich von Fremdkapital unterscheiden.

Das Mezzanine Kapital muss als Haftungsmasse zur Verfügung stehen, wie es auch bei Eigenkapital der Fall ist. Im Fall einer Insolvenz des Mezzanine-Nehmers müssen die Ansprüche des Mezzanine-Gebers hinter denen von Gläubigern zurückstehen. Es darf erst dann zu einer Rückzahlung kommen, wenn die Ansprüche aller Kreditgeber vollständig erfüllt sind.

Die Rendite des Mezzanine-Gebers muss zudem erfolgsabhängig gestaltet sein. Es ist nicht zulässig, Erträge auszuschütten, wenn dadurch die sonstige Eigenkapitalbasis des Unternehmens geschmälert wird. Ausschüttungen zugunsten des Mezzanine-Gebers sollen vorwiegend aus erzielten Gewinnen finanziert werden.

Einsatzmöglichkeiten in der Praxis

Mezzanine-Kapital kann die Eigenkapitalbasis von Unternehmen verbessern. Dies ist insbesondere auch dann möglich, wenn die Aktionäre einer Kapitalerhöhung nicht zustimmen und die Aufnahme von Eigenkapital durch die Ausgabe junger Aktien nicht möglich ist.

Wenn zugleich eine Ausweitung der Verschuldung nicht erwünscht oder vertretbar ist, stellt Mezzanine-Kapital als Mittelweg zwischen Eigenkapital- und Fremdkapitalfinanzierung oft die einzige Lösung dar. Sie muss bei erfolgreichem Geschäftsverlauf mit hohen Prämien an den Mezzanine-Geber bezahlt werden.

Eine Mezzanine-Finanzierung ist deshalb vor allem aus Sicht der Gläubiger eines Unternehmens vorteilhaft. Die Haftungsmasse wird erhöht, ohne dass die Ansprüche aus laufenden Krediten verringert werden. Die Kosten des Mezzanine-Kapitals gehen tendenziell zulasten der Anteilseigner, weil das Unternehmen einen geringeren Gewinn ausweist.

Mezzanine-Kapital wird typischerweise nicht für einen bestimmten Verwendungszweck in Anspruch genommen, sondern soll der Verbesserung der finanziellen Struktur des Unternehmens dienen.

Kombination mit Bankdarlehen

Wird die Eigenkapitalbasis eines Unternehmens durch Mezzanine Kapital verbessert, ermöglicht dies häufig erst die Ausweitung von Kreditlinien. Darüber hinaus können Unternehmen mit Banken über eine Reduzierung der (variablen) Sollzinsen für bestehende Kreditlinien verhandeln.

Auch bei der Emission von Anleihen können mit einer Mezzanine-Finanzierung im Rücken günstigere Konditionen erzielt werden, weil das Rating besser ausfällt. Unternehmen können auch über den Anleihemarkt eine Umschuldung vornehmen, indem sie neue Schuldverschreibungen emittieren und mit dem Erlös die älteren Bestände zurückkaufen.

Verzinsung des Mezzanine-Kapitals

Mezzanine-Geber haben kein Stimmrecht und keine Residualansprüche. Wie genau die Vergütung für die Kapitalüberlassung ausfällt, hängt stark vom jeweiligen Einzelfall ab. Es kann ein Zinssatz vereinbart werden, der deutlich über dem gewöhnlichen Finanzierungszins des Unternehmens liegt.

Der Aufschlag stellt dann eine Entschädigung für den nachrangigen Status des Mezzanine-Kapitals dar. Aber auch andere Formen, die stärker an die Ertragslage des Unternehmens oder bestimmte andere Ziele gekoppelt sind, sind möglich. Die aufsichtsrechtliche Regulierung von  Mezzanine-Kapital ist vergleichsweise gering.

Eine Ausnahme stellen Genussscheine dar, die an der Börse gehandelt werden. Genussscheine fallen unter die Prospekthaftung und unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Bedeutung und Bewertung von Kündigungsrechten

Mezzanine-Verträge können mit einem einseitigen oder beidseitigen Kündigungsrecht ausgestattet sein. Es greift in der Regel jedoch frühestens 5 Jahre nach der Bereitstellung, weil sonst die bilanzielle Einstufung als Eigenkapital nicht möglich wäre.

Der Mezzanine-Geber kann sich beispielsweise das Recht einräumen lassen, den Kapitalvertrag zu kündigen, wenn das bilanzierte (sonstige) Eigenkapital des Mezzanine-Nehmers unter einen bestimmten Wert fällt.

Sicherheiten

Da Mezzanine-Kapital als Eigenkapitalersatz fungieren soll, werden keine gesonderten Sicherheiten aufgebracht. Dann würde es sich um einen Kredit handeln. Mitunter können Mezzanine-Geber allerdings Garantien oder Bürgschaften von Dritten, z. B. der öffentlichen Hand, nutzen.

Steuerliche Behandlung

Die Vergütung für den Mezzanine-Geber kann steuerlich in voller Höhe geltend gemacht werden. Damit wird Mezzanine-Kapital steuerlich wie Fremdkapital behandelt. Anleger müssen die Einkünfte mit der Kapitalertragssteuer versteuern.

Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Mezzanine-Kapital ermöglicht es Unternehmen, ohne Veränderung der Eigentümerstruktur die Eigenkapitalbasis zu stärken. Dadurch kann die Kreditwürdigkeit gegenüber Banken und Kapitalmarkt verbessert werden, was sich wiederum günstig auf die Refinanzierungskosten des Unternehmens auswirkt. Unternehmen können sich durch langfristige Mezzanine-Verträge unabhängiger von Banken machen. Gegenüber Krediten bietet die Mezzanine-Finanzierung zudem den Vorteil, dass keine Sicherheiten  aufgebracht werden müssen.

Nachteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Mezzanine-Finanzierungen reduzieren den Unternehmensgewinn und können langfristig deshalb erheblich teurer sein als eine Kapitalerhöhung. Die hohe Vergütung für die Kapitalüberlassung erfordert einen hohen und stabilen Cash Flow. Das ist der Preis für die Kapitalbeschaffung ohne Sicherheiten und ohne neue Eigentümerstruktur. "Echtes" Eigenkapital kann Mezzanine nicht ersetzen, weil es befristet ist und nach einigen Jahren refinanziert werden muss.

Wann eignet sich eine Mezzanine-Finanzierung?

Mezzanine Kapital eignet sich für Unternehmen, die ihre Finanzierungsstruktur verbessern und dabei weder auf neue Kredite noch auf eine Kapitalerhöhung zurückgreifen möchten. Vor allem wenn weitere Kredite die Bonität gefährden und/oder Kapitalerhöhungen nicht gewünscht sind kann Mezzanine eine Alternative darstellen. Ein hoher und möglichst kontinuierlicher Cash Flow ist ebenfalls Voraussetzung.

Welche Anbieter gibt es?

Zu den wichtigsten Anbietern von Mezzanine-Finanzierungen gehören Banken (die dann nicht als Kreditgeber, sondern Mezzanine-Geber auftreten), Privat Equity Unternehmen und spezielle Fonds für Hybridkapital.

Antragsprozess

Da keine Sicherheiten hinterlegt werden, ist der Antragsprozess sehr umfangreich. Er erfordert ein vollständiges Rating des Unternehmens und macht den Einsatz von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erforderlich.