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Partiarisches Darlehen

Ein partiarisches Darlehen wird von einer oder mehreren natürlichen oder juristischen Personen an ein Unternehmen vergeben. Die Kreditgeber besitzen keine Mitbestimmungs- und Gestaltungsrechte, haben aber Anspruch auf eine  Beteiligung an Gewinn und/oder Umsatz des Unternehmens.

Laufzeiten

Partiarische Darlehen können befristet oder unbefristet sein. Wie lange der Kreditbetrag zur Verfügung gestellt wird, können die beteiligten Parteien frei vereinbaren. Der Kreditgeber hat sehr häufig ein vertragliches Recht zu einer jederzeitigen Kündigung. Das ist auf die erwünschte rechtliche Abgrenzung zu stillen Beteiligungen und anderen Finanzierungsformen zurückzuführen.

Bei unbefristeten Krediten beträgt die Kündigungsfrist meistens 6 Monate zum Jahresende. Auch Kürzere Kündigungsfristen können vereinbart werden. Zusätzlich kann eine Kündigungssperrfrist vereinbart werden, während der die Darlehenssumme vom Kreditgeber nicht zurückgefordert werden kann.

Grundsätzlich haben Kreditgeber ein Interesse an einer langen Laufzeit im Bereich von 5 bis 15 Jahren, weil sie in Verlustjahren keine Gewinnbeteiligung erhalten und der Löwenanteil des Ertrags in guten Geschäftsjahren erzielt wird.

Kreditsummen

Verlässliche Untersuchungen im Hinblick auf marktübliche Kreditsummen gibt es nicht. Das ist unter anderem auf die fehlende Prospektpflicht zurückzuführen. Kreditnehmer und Kreditgeber können die Darlehenssumme frei vereinbaren. Plausibel erscheinen Kreditbeträge ab ca. 1 Mio. Euro. Nach oben hin gibt es keine festgelegten Grenzen.

Gebühren

Gebühren sind unüblich, weil partiarische Darlehen rechtlich keinen Kredit darstellen sollen.

Verzinsung

Die Verzinsung muss im Wesentlichen gewinn- bzw. umsatzabhängig abhängig gestaltet sein. In der Praxis bedeutet dass, eine feste Verzinsung durchaus vereinbart werden kann. Sie muss jedoch der Beteiligung an Gewinn oder Umsatz klar untergeordnet sein.

Kreditnehmer und Kreditgeber vereinbaren einen Prozentsatz, mit dem der Kreditgeber am Ergebnis des Unternehmens beteiligt wird. Die Gewinnbeteiligung wird auf jährlicher Basis berechnet. Maßgeblich ist somit der Jahresabschluss. Für die Ermittlung des relevanten Gewinns werden regelmäßig zusätzliche Vereinbarungen geschlossen.

So werden zum Beispiel Investitionsrücklagen, vorzeitige Abschreibungen und bilanzielle Bewegungen von Rücklagen nicht berücksichtigt. Auch Verlustvorträge werden im Hinblick auf die Gewinnermittlung regelmäßig ausgeschlossen. Das soll einer Gestaltung der  Basis zugunsten oder zulasten einer der beiden Vertragsparteien Vorschub leisten.

Der Anspruch auf Gewinnbeteiligung wird meistens auf einen bestimmten Anteil des valutierenden Kreditbetrages begrenzt. Üblich ist eine Obergrenze von 25 Prozent. Steht ein Kreditbetrag von 2 Millionen Euro aus, kann die Gewinnbeteiligung maximal 500.000 Euro betragen, auch wenn sich aus dem vereinbarten Prozentsatz und dem Jahresgewinn eine höhere Summe ergibt.

Aus der Kopplung des Gewinnanteils an den offenen Kreditbetrag folgt zudem, dass sich die Gewinnansprüche des Kreditgebers verringern, wenn das Darlehen in regelmäßigen Raten getilgt wird (und nicht z. B. eine  endfällige Tilgung vereinbart wurde).

Sicherheiten

Bürgschaften, Garantien und andere Sicherheiten sind bei partiarischen Darlehen nicht erforderlich. Sehr häufig wird eine Nachrangabrede vereinbart, in der der Kreditgeber erklärt, im Fall einer Insolvenz seine Ansprüche hinter die aller anderen Gläubiger zurückzustellen (mit Ausnahme der Gläubiger, die ebenfalls eine nachrangige Forderung besitzen).

Zinsbindung

Wird der Kredit mit einer verzinslichen Komponente ausgestattet, handelt es sich dabei zumeist um eine Mindestverzinsung. Der Zinssatz ist dann entweder festgelegt oder an einen Referenzzinssatz gekoppelt.

Sonderzahlung und Kündigung

Der Kreditnehmer kann ein partiarisches Darlehen in der Regel jederzeit ganz oder teilweise vorzeitig zurückzahlen. Diese Option ist wichtig für die Abgrenzung zu einer Beteiligung, da sie für die fehlende Einflussnahme des Kreditgebers spricht. Bei unbefristeten Darlehen kann  auch der Kreditgeber jederzeit unter Einhaltung der Kündigungsfrist kündigen und den Darlehensbetrag zurückfordern. Dabei muss ggf. die vereinbarte Kündigungssperrfrist berücksichtigt werden.

Verwendungszweck

Partiarische Darlehen können an einen bestimmten Verwendungszweck gebunden werden. So kann etwa vereinbart werden, dass die Mittel zum Aufbau einer Fabrikanlage, zur Schaffung von Erzeugungskapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien oder zur Anschaffung eines Fuhrparks verwendet werden. Das fehlende Mitbestimmungs- und Gestaltungsrecht des Kreditgebers im Hinblick auf Geschäftsführung, Bilanzierung etc. bleibt dadurch unberührt.

Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Partiarische Darlehen machen Unternehmen unabhängiger von Banken und verbessern die Chancen auf einen ausreichenden Zugang zu Kreditmitteln. Vor allem bei einer negativen Beurteilung der Bonität durch Banken kann ein partiarisches Darlehen helfen.

Ein Vorteil gegenüber einem Gesellschafterverhältnis besteht in der fehlenden Pflicht zur Veröffentlichung des Darlehens im Handelsregister.  Durch die ergebnisabhängige Verzinsung vermeiden Unternehmen zudem hohe Zinskosten in schlechten Geschäftsjahren. Im Fall einer sehr positiven  Geschäftsentwicklung ist eine Trennung vom Kreditgeber durch eine Umstrukturierung der Finanzierung rasch möglich, so dass es nicht zu einer langfristigen Teilung der Gewinne kommen muss.

Anders als bei einer Beteiligung z. B. in Form einer Kapitalerhöhung steht dabei von Beginn an fest, zu welchem Preis der Kreditnehmer den Ausstieg des Kreditgebers erreichen kann.

Nachteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Die ergebnisabhängige Vergütung des Kreditgebers und die Ableitung seiner Ansprüche aus den einzelnen Jahresergebnissen reduzieren den Gewinn der Eigentümer in profitablen Jahren. Die Gesamtbelastung für den Kreditnehmer fällt in der Regel höher aus, was auf den Risikoaufschlag zurückzuführen ist, den der Kreditgeber verlangt.

Steuerliche Besonderheiten

Der Kreditnehmer kann die Gewinnbeteiligung des Kreditgebers in voller Höhe als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen. Die Einkünfte des Kreditgebers fallen unter die Kapitalertragssteuer. Hier ergeben sich gegenüber Beteiligungen steuerliche Vorteile, weil keine Gewerbesteuer entrichtet werden muss und nicht der (meist über 25 Prozent liegende) persönliche Steuersatz greift.

Wann eignet sich ein partiarisches Darlehen?

Partiarische Darlehen eignen sich vor allem für Unternehmen, die von ihren Erfolgsaussichten überzeugt sind und an den Eigentumsverhältnissen nichts ändern möchten, zugleich aber bei Banken bzw. auf dem Anleihemarkt nur schwer an Kredite gelangen können.

Partiarisches Darlehen realisieren

Mögliche Ansprechpartner sind Risikokapitalgeber und  Privat Equity Fonds. Damit ein partiarisches Darlehen auch als solches anerkannt wird, müssen bei der Gestaltung einige Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu zählen u.a. die zumindest überwiegend erfolgsabhängige Verzinsung, das Fehlen von Gestaltungsmöglichkeiten durch den Kreditgeber, der Ausschluss einer Verlustbeteiligung des Darlehensgebers und die jederzeitige Kündigungsoption des Kreditnehmers.