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Point of Sale Kredit

Point of Sale Kredite sind Konsumdarlehen, die direkt am Verkaufsort abgeschlossen werden. Point-of-Sale-Finanzierungen werden vom Einzelhandel häufig als Mittel der Verkaufsförderung eingesetzt. Verbraucher können direkt im Verkaufsraum eine Finanzierung vereinbaren und die gewünschte Ware ohne Verzögerung mit nach Hause nehmen.

Während Point of Sale Kredite in Deutschland ursprünglich auf den Autohandel beschränkt waren, sind sie heute in allen Segmenten des Einzelhandels präsent. In Elektronikmärkten sind Ratenzahlungen ebenso möglich wie in einigen Supermärkten und im Online-Versandhandel.

Laufzeiten

Marktübliche Laufzeiten von Point-of-Sale-Krediten reiche von 3 bis hin zu 96 Monaten. Die angebotenen Laufzeiten unterscheiden sich allerdings stark zwischen den einzelnen Anbietern und können darüber hinaus im Rahmen bestimmter Aktionen abweichen. Bei geringen Kreditsummen gelten zudem häufig kürzere Laufzeiten. Monatsraten unter 10 Euro sind möglich, aber selten.

Kreditsummen

Point-of-Sale Kredite sind ab ca. 200 Euro möglich. Nach oben hin sind zwar grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. Ein klassischer Point-of-Sale Kredit wird jedoch ohne Einkommensnachweis eingeräumt, weil die Bonitätsprüfung sich auf die Abfrage des Schufa-Datenbestand (bzw. dem einer anderen Auskunftei) beschränkt. Deshalb sind Kreditbeträge über 2.000 Euro bei Point-of-Sale-Krediten im engeren Sinne unüblich.

Einige große Einzelhandelsunternehmen bieten ihren Kunden Co-Branding-Kreditkarten mit optionaler Teilzahlungsfunktion an. Ist die Ratenzahlung nur bei Einkäufen beim jeweiligen Co-Branding-Partner (z. B. einem Möbelhaus oder einem Elektronikmarkt) möglich und muss die Kartenrechnung ansonsten in einer Summe bezahlt werden, handelt es sich auch dabei um einen Point-of-Sale Kredit im engeren Sinne.

In diesem Fall sind durch die einmalige Bonitätsprüfung inklusive Einkommensnachweis auch größere Finanzierungsbeträge möglich. Nach der Einräumung des Kreditrahmens steht dieser jederzeit zur Verfügung, so dass die Ratenzahlung ohne besondere Absprache vorgenommen werden kann.

Gebühren

Bei Point-of-Sale-Krediten fällt häufig eine sehr hohe Bearbeitungsgebühr an. Im Gegenzug sind dann die nominalen Sollzinsen niedriger. Einige Anbieter verzichten auch ganz auf explizit ausgewiesene Zinsen und verlangen nur Bearbeitungsgebühren, deren Höhe mit der Laufzeit zunimmt. Schon bei Laufzeiten von 2 Jahren kann sich die Gebühr durchaus auf 8 Prozent des Nettokreditbetrages  belaufen. In einigen Fällen wird zusätzlich zu einer Bearbeitungsgebühr auch eine Laufzeitzulage fällig. Es müssen allerdings nicht zwingend Gebühren anfallen – auch in diesem Punkt unterscheiden sich die Angebote stark.

Verzinsung

Point of Sale Kredite werden bonitätsunabhängig verzinst, d. h. der angebotene Zinssatz gilt für alle Kreditnehmer, deren Bonität zur Einräumung des Kredits ausreicht. Die Höhe der Zinssätze ist sehr unterschiedlich. Nicht selten bietet der Handel Ratenzahlungen ohne Zinsaufschlag an. Der reguläre Verkaufspreis wird dann durch die Anzahl der gewünschten Raten dividiert und ergibt die Höhe der monatlichen Rate. In diesem Fall sind die Finanzierungskosten allerdings im Preis enthalten, auch wenn sie nicht explizit ausgewiesen werden.

Sicherheiten

Sicherheiten sind bei Point of Sale Krediten nicht erforderlich, sofern es sich nicht um eine Fahrzeugfinanzierung handelt. Kreditnehmer werden hinsichtlich ihrer Bonität in einem standardisierten Schnellverfahren geprüft, das im Wesentlichen auf den Scorewerten der Schufa und anderen großen Auskunfteien beruht.

Abweichend davon findet bei Fahrzeugfinanzierungen, die am Point of Sale abgeschlossen werden, eine umfangreichere Bonitätsprüfung statt. Insbesondere sind Einkommensnachweise erforderlich. Darüber hinaus dient auch das finanzierte Fahrzeug oft als Sicherheit. Der Fahrzeugbrief wird in diesem Fall bei der darlehensgebenden Bank, die mit dem Händler kooperiert, hinterlegt.

Zinsbindung

Der Zinssatz steht für die gesamte Laufzeit fest, so dass Kreditnehmer kein Zinsänderungsrisiko tragen. Die einzige Ausnahme sind Fahrzeugkredite mit Schlussrate, die als Point of Sale Kredit abgeschlossen werden. Wird die Schlussrate bei Fälligkeit mit einem Ratenkredit finanziert, müssen dessen Konditionen zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme ausgehandelt werden. Über die Höhe des Zinssatzes bei einer solchen Anschlussfinanzierung lässt sich beim Kauf keine Aussage treffen.

Sondertilgungen

Sofern eine Bank als Finanzierungspartner agiert haben Verbraucher das Recht, jederzeit Sonderzahlungen zu leisten bzw. den Kreditsaldo vorzeitig ganz abzulösen. In diesem Fall kann die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Ein gutes Geschäft sind Sondertilgungen bei Point-of-Sale Krediten allerdings selten, da ein Großteil der Finanzierungskosten üblicherweise aus Bearbeitungsgebühren und Laufzeitzulagen besteht, die bei einer vorzeitigen Rückzahlung nicht erstattungsfähig sind.

Verwendungszweck

Der Verwendungszweck steht bei Point of Sale Krediten naturgemäß fest: Mit den Darlehen wird die jeweilige Anschaffung bzw. der jeweilige Einkauf finanziert.

Anbieter

Zu den Anbietern von Point of Sale Krediten zählen Autohäuser, Elektronikmärkte, Supermärkte, Möbel- und Einrichtungshäuser und Versandhändler. Das Angebot ist nicht auf bestimmte Branchen beschränkt. Die Entscheidung Ratenzahlungen – sei es auf eigene Rechnung oder über eine Partnerbank  – anzubieten dient meist dem Ziel der Absatzförderung. Teilzahlungen sollen dem Kunden die Entscheidung erleichtern.

Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Der größte Vorteil liegt in der ausgesprochen bequemen Abwicklung direkt am Point of Sale und der Möglichkeit, ohne langwierige Suche nach einem Darlehen und die sonst übliche Antragsprozedur einzukaufen und den Anschaffungspreise auf Raten zu zahlen. Durch die Ratenzahlung werden Liquidität und Rücklagen geschont. Gegenüber einer Überziehung des Girokontos sind viele Point-of-Sale Kredite zudem relativ günstig. Das gilt auch im Vergleich mit vielen Revolving Cards.

Nachteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten

Viele Point-of-Sale Kredite sind relativ teuer. Die hohen Finanzierungskosten werden oft nicht einmal ausgewiesen. Im Gegenteil wird dem Kunden sogar suggeriert, er könne zu sehr niedrigen oder auch gar keinen Zinsen auf Raten zahlen. Da auch der Händler Finanzierungskosten zahlen muss, sind diese im Kaufpreis jedoch immer enthalten. Wird eine Ratenzahlung mit (explizit) sehr niedrigen oder gar keinen Zinsen genutzt, verzichten Kreditnehmer auf den (impliziten) Verhandlungsspielraum.

Für Verbraucher mit unkontrolliertem Konsumverhalten stellen Point-of-Sale-Kredite ein besonders großes Überschuldungsrisiko dar, weil direkt im Verkaufsraum und ohne weitere Prüfung ein Kredit aufgenommen werden kann. Werden Point of Sale Kredite häufig für kleinere Anschaffungen genutzt, kann dies der persönlichen Bonität schaden, weil jede Ratenzahlung der Schufa gemeldet wird.

Wann eignet sich ein Point of Sale Kredit?

Ein Point of Sale Kredit eignet sich für mittelgroße Anschaffungen von etwa 500 bis ca. 1.500 Euro. Bei kleineren Beträgen ist eine vorübergehende Kontoüberziehung unter Berücksichtigung der ausbleibenden Schufa-Meldung günstiger. Bei größeren Anschaffungen lohnt die Finanzierung über einen günstigeren Ratenkredit nicht zuletzt wegen der besseren Verhandlungsposition. Eine Ausnahme können unter Umständen Fahrzeugfinanzierungen darstellen.

Wichtig bei Vergleich und Antrag

Ein tatsächlicher Vergleich zwischen zwei Point of Sale Krediten findet selten statt, weil direkt an Ort und Stelle eine Entscheidung getroffen wird. Die Finanzierungsmodalitäten (z. B. maximal mögliche Laufzeit, Finanzierungsaufschlag) können nur bei größeren Anschaffungen und mehreren verfügbaren Anbietern sinnvoll verglichen werden.

Von größerer Bedeutung ist der Vergleich mit anderen Finanzierungsmöglichkeiten, wie z. B. über einen Raten- oder Rahmenkredit. Das gilt insbesondere bei Fahrzeugfinanzierungen.

Point of Sale Kredit beantragen

Der Kreditantrag wird direkt vor Ort gestellt. Neben einem Personalausweis ist in der Regel nur eine gültige EC-Karte erforderlich. Zudem muss die Einwilligung zur Einholung einer Schufa-Auskunft erteilt werden. Sofern der für die jeweilige Branche relevante Scorewert ausreicht, wird dem Kredit in der Regel zugestimmt.