Studentenkredit
Ein Studentenkredit dient der Finanzierung des Lebensunterhalts während eines (Fach-) Hochschulstudiums. Der Kredit wird in monatlichen Raten ausbezahlt. An die Auszahlungsphase schließt sich oft eine tilgungsfreie Zeit an. Die Rückzahlung selbst dauert 10 bis 25 Jahre.
Studentenkredite sind anders als Bafög-Leistungen nicht an bestimmte Einkommensgrenzen des Kreditnehmers oder seiner Eltern gebunden. Die Konditionen variieren stark zwischen den Angeboten am Markt. Zu den Anbietern von Studentenkrediten zählen neben privaten Banken auch öffentliche Kreditinstitute.
Voraussetzungen
Studienkredite sind keine Leistung gemäß Bafög und stellen damit keine Sozialleistung dar. Sie werden deshalb grundsätzlich an alle ordentlich immatrikulierten Studierenden an inländischen (Fach-) Hochschulen und Berufsakademien vergeben. Das Einkommen des Studenten selbst spielt ebenso wenig eine Rolle wie die finanzielle Situation der Eltern. Die Eltern des Studierenden haften im Zweifel auch nicht für den Kredit. Studienkredite können auch dann aufgenommen werden, wenn zugleich Leistungen gemäß Bafög gewährt werden.
Während des Studiums müssen laufend verschiedene Nachweise erbracht werden. Zu jedem Semester ist eine Immatrikulationsbescheinigung vorzulegen. Nach 2 bis 6 Fachsemestern muss zudem der Nachweis über eine erfolgreich abgeschlossene Zwischenprüfung erbracht werden. Weitere Leistungsnachweise können in höheren Fachsemestern erforderlich sein.
Laufzeiten
Studentenkredite sind in der Regel in drei Phasen unterteilt. Während der Auszahlungsphase erhalten Kreditnehmer monatliche Zahlungen. Die Auszahlungsphase dauert je nach Bank höchstens 36 bis 84 Monate. Die Auszahlungsphase endet zudem beim Abschluss oder Abbruch des Studiums.
An die Auszahlungsphase schließt sich eine tilgungsfreie Zeit an, die 3 Monate bis 2 Jahre dauern kann. Während dieser Zeit müssen nur die anfallenden Zinsen gezahlt werden. Die Karenzzeit berücksichtigt, dass Studierende nach ihrem Abschluss einige Zeit benötigen, bis sie eine feste Anstellung erhalten und ein regelmäßiges Einkommen beziehen.
Die Tilgungsphase selbst folgt auf die Karenzzeit. Sie kann bis zu 25 Jahre dauern. Viele Banken begrenzen die Tilgungsphase jedoch auf deutlich kürzere Zeiträume von 8 bis 15 Jahren.
Kreditsummen
Die Höhe der monatlichen Auszahlung können Kreditnehmer innerhalb festgesetzter Grenzen frei wählen. Monatlich werden dabei üblicherweise mindestens 100 Euro, höchstens jedoch 1000 Euro ausbezahlt. Die monatliche Obergrenze ist bei vielen Angeboten für Studierende in den ersten Fachsemestern deutlich niedriger.
Der insgesamt maximal mögliche Kreditbetrag ergibt sich aus der jeweiligen Kombination von maximaler Dauer der Auszahlungsphase und monatlichem Höchstbetrag. Marktüblich sind maximale Darlehensbeträge von 20.000 bis ca. 55.000 Euro.
Gebühren
Beim Abschluss eines Studienkredits fallen in der Regel Bearbeitungsgebühren an. Sie können sich am Nettodarlehensbetrag orientieren, müssen es aber nicht. Marktüblich sind Gebühren zwischen 200 und 300 Euro, die anfänglich fällig und dem Kreditkonto belastet werden. Die Gebühren werden mitfinanziert.
Wird die während der Auszahlungs- und Karenzphase angelaufene Kreditschuld später durch einen Ratenkredit abgelöst, kann für diesen eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr anfallen. Marktüblich sind hier 2-5 Prozent des Nettodarlehensbetrages.
Verzinsung
Studienkredite sind in der Regel mit einer bonitätsunabhängigen Verzinsung ausgestattet. Der von einer Bank angebotene Zinssatz gilt für alle Kreditnehmer mit Darlehenszusage. Die Höhe des Zinssatzes ist abhängig vom Anbieter und dem allgemeinen Zinsniveau am Kapitalmarkt beim Beginn der Auszahlungsphase.
Die Zinsen werden üblicherweise monatlich in Rechnung gestellt. Bei einigen Studienkrediten werden sie dem Kreditsaldo auf dem Darlehenskonto zugeschlagen. Bei einigen Angeboten erfolgt während der Auszahlungsphase auch eine Verrechnung mit den laufenden Auszahlungen. Dies führt dazu, dass die Nettoauszahlungen im Zeitverlauf sinken. Am Ende einer sehr langen Auszahlungsphase kann ein Großteil der laufenden Auszahlungen auf die Zinsen entfallen.
Sicherheiten
Sicherheiten sind für einen Studienkredit nicht erforderlich. Auch ein Gehaltsnachweise wird nicht verlangt. Als Sicherheit dient das künftige Einkommen des Kreditnehmers. Vor der Auszahlung wird dennoch eine Bonitätsprüfung durchgeführt, so dass die Zusage bei negativen Schufaeinträgen regelmäßig nicht möglich ist. Kreditnehmer müssen zudem versichern, dass sie sich nicht in einer prekären finanziellen Situation (z. B. in einem laufenden Insolvenzverfahren) befinden.
Zinsbindung
Der Zinssatz von Studienkrediten ist in der Auszahlungsphase sowie in der sich anschließenden Karenzphase variabel und orientiert sich an einem Referenzzinssatz. Dabei kann es sich zum Beispiel um den 3-Monats-Euribor oder der Leitzins der Europäischen Zentralbank handeln. In bestimmten Abständen wird der Kreditzins an den Referenzzinssatz angepasst. Häufig erfolgt die Zinsanpassung quartalsweise oder in halbjährlichen Abständen.
Einige Studienkredite sind mit einem Zinscap ausgestattet, das entweder für die gesamte Laufzeit oder einen bestimmten Zeitraum gilt. Das Zinscap versteht sich als verbindliche Zinsobergrenze, über die hinaus der Kreditzins unabhängig von der Zinsentwicklung am Kapitalmarkt nicht ansteigen kann.
Nach Ablauf der Karenzphase richtet sich die Zinsbindung nach dem jeweiligen Angebot. Entweder wird der Kredit bis zum Ende variabel verzinst (auch dann möglicherweise mit einem Zinscap), oder aber der während der Auszahlungs- und Karenzphase angelaufene Kreditbetrag wird in einen Ratenkredit mit Zinsbindung umgewandelt. Die Konditionen des Ratenkredits werden zum Zeitpunkt der Umwandlung festgelegt. Beim Abschluss des Studienkredits wissen Kreditnehmer somit nicht, wie hoch die Zinsen später ausfallen werden.
Sondertilgungen
Sondertilgungen sind bei Studienkrediten grundsätzlich möglich. Wird der Kredit variabel verzinst bzw. befindet es sich in einer Phase mit variabler Verzinsung, sind Sonderzahlungen jederzeit ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich. Besteht eine Zinsbindung, können Banken bis zu 1 Prozent des vorzeitig angelösten Saldos als Vorfälligkeitsentschädigung in Rechnung stellen.
Verwendungszweck
Anders als Studienbeitragsdarlehen dienen Studienkredite keinem bestimmten Verwendungszweck. Sie sollen die Finanzierung des Lebensunterhaltes sichern. Dies wird durch eine monatliche Auszahlung sichergestellt. Weitere Nachweise hinsichtlich der Verwendung müssen nicht erbracht werden.
Anbieter von Studienkrediten
In Deutschland bieten private Kreditinstitute Studienkredite genauso an wie die im Besitz des Bundes befindliche Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die KfW bietet ihren Studienkredit seit dem Frühjahr 2006 an und zählt hinsichtlich der Konditionen zu den günstigsten Anbietern. Einen Vergleich aktueller Studienkredite haben wir nachfolgend für Sie aufbereitet:
| Kreditanbieter | Effektiver Jahreszins laut Bank* |
Minimale Nettokredit- summe |
Maximale Nettokredit- summe |
Laufzeit | Zusage | Detailseite | Kredit beantragen |
| ab 3,45 % | 1.500 € | 50.000 € | 12 – 84 Monate | sofort online | TARGOBANK | Weiter ► | |
| ab 3,90 % | 1.000 € | 35.000 € | 12 – 84 Monate | sofort online | Barclaycard | Weiter ► | |
| 5,95 % | 1.000 € | 50.000 € | 12 – 84 Monate | sofort online | DKB | Weiter ► | |
| ab 4,11 % | 5.000 € | 32.400 € | bis 120 Monate | nach Prüfung | Weiter ► | ||
| ab 3,99 % | 100 € monatlich* | 650 € monatlich* | bis zu 25 Jahre für die Tilgung | nach Prüfung | Weiter ► | ||
| ab 2,57 % | 7.200 € (Gesamtsumme wird in 24 Raten je 300 € ausgezahlt) | 1. Rate nach 4 Jahren nach Erstauszahlung | nach Prüfung | Weiter ► | |||
| von jeweiliger Sparkasse abhängig* | bis 25.000 € / 32.000 € (Gesamtsumme wird in Raten ausgezahlt, je bis zu 555 €) | bis zu 10 Jahre (nach 1-2 Jahren muss 1. Rate gezahlt werden) | nach Prüfung |
Weiter ► | |||
| * Mindestangaben und repräsentatives Beispiel gemäß der EU-Verbraucherkreditrichtlinie werden auf der entsprechenden Detailseite vorgestellt. “K.A. der Bank” = “Keine Angaben der Bank”, d.h., dass uns seitens der Bank diese Informationen noch nicht zur Verfügung gestellt wurden. Wir ergänzen diese, sobald sie uns vorliegen. Alle Informationen haben wir nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Sie sind jedoch ohne Gewähr. Stand: 19.06.2013 |
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Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsvarianten
Studienkredite sind für Studierende die einzige praktikable Finanzierungsmöglichkeit, die nicht vom Einkommen der Eltern oder eigenen Bezügen abhängig ist. Mit einem Studienkredit kann auf Nebentätigkeiten verzichtet werden, so dass mehr Zeit für das Studium selbst zur Verfügung steht.
Das kann sich in einem schnelleren Abschluss und besseren Ergebnissen niederschlagen. In vielen Fällen ist ein Studienkredit sogar die einzige Möglichkeit, das gewünschte Studium zu absolvieren. Das gilt vor allem, wenn eine Finanzierung weder durch das Elternhaus noch durch Bafög möglich ist und auswärtig studiert werden muss.
Nachteile und Risiken eines Studienkredits
Die späteren Belastungen durch einen Studienkredit können die finanzielle Lebensplanung erheblich beeinträchtigen. Kreditnehmer sollten bedenken, dass ein Kreditsaldo im mittleren fünfstelligen Bereich zu hohen Lasten führt, die über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten aufgebracht werden müssen.
Der Kredit muss auch dann zurückbezahlt werden, wenn das Studium nicht erfolgreich abgeschlossen wird. Zudem bietet in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Gesamtsituation auch ein abgeschlossenes Studium keine Garantie auf einen sicheren Arbeitsplatz und erst Recht nicht auf ein hohes Einkommen. Die eigenen Einkommensperspektiven sollten so realistisch wie möglich eingeschätzt werden. Ist auch im Fall eines überdurchschnittlichen Abschlusses nicht mit einem hohen Einkommen zu rechnen, sollten der Gesamtsaldo des Kredits 10.000 Euro nicht weit übersteigen.
Steuerliche Besonderheiten
Aufwendungen in Verbindung mit einem Studium können steuerlich geltend gemacht werden. Das Finanzamt akzeptiert Ausgaben bis 4.000 Euro im Jahr. Zu diesen Ausgaben zählen auch Zinsen, die für einen Studienkredit gezahlt werden müssen. Die Tilgung selbst kann nicht geltend gemacht werden. Dem Finanzamt können die Aufwendungen durch eine Jahreszinsbescheinigung nachgewiesen werden.
Wann eignet sich ein Studienkredit?
Damit ein Studienkredit Sinn macht, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss der Kredit für die Aufnahme des Studiums bzw. den erfolgreichen Abschluss elementar wichtig sein. Aus reiner Bequemlichkeit sollten Studierende nicht auf einen Kredit zurückgreifen und ggf. einen Nebenjob ausüben. Zum anderen sollte das gewählte Studienfach die Erwartung eines ausreichend hohen Einkommens rechtfertigen. Die realistischen Gehaltsperspektiven müssen gegen die Belastung durch Zins und Tilgung abgewogen werden.
Wichtig beim Vergleich
Die Höhe des Zinssatzes sagt wenig über die Gesamtkosten aus, wenn der Zinssatz variabel ist. Von Vorteil ist deshalb ein Zinscap, das vor stark steigenden Zinsen schützt. Von Vorteil ist zudem eine lange maximale Tilgungsdauer. Kann der Studienkredit über einen sehr langen Zeitraum zurückbezahlt werden, lässt sich die monatliche Rate überschaubar halten.
Eine möglichst lange optionale Karenzphase ist ebenfalls von Vorteil. Nach dem Abschluss kann es sehr lange bis zum ersten festen Einkommen dauern, so dass ein rascher Tilgungsbeginn zu finanziellen Engpässen führen kann.
Studienkredit beantragen
Der Antrag wird direkt bei Banken gestellt. Beim Studienkredit der KfW erfolgt die Antragstellung bei deren Vertriebspartnern, zu denen zum Beispiel Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken gehören. Unter Umständen müssen bestimmte Fristen beachtet werden, wie z.B. der Beginn des Semesters.
